Hansa - St. Pauli
 
     
 

Eine Geschichte vom Altwerden

St. Pauli...damals wie heute ein nerviger Kackverein, keine Frage. Aber wen interessiert’s? Im Stadion kriegen sie den Mund nicht auf und außerhalb sind sie sowieso nicht der Rede wert. Da freue ich mich 100 Mal mehr, wenn es gegen Dynamo geht. Da liegt immer eine gewisse Spannung in der Luft. Chapeau Pauli...muss auch erst mal einer schaffen, dass mir Sachsen sympathischer sind. Aber wahrscheinlich liegt das auch am Alter...Damals, als die grauen Haare noch weit entfernt waren, da ließ ich mich von der Stimmungsmache gegen diesen drögen Club auch anstecken. SCHEISS ST.PAULI! Ist halt mal was los, kann man mal bisschen ‘nen Max machen. Mittlerweile regt sich bei mir gegen diese Dödel aber absolut gar nichts. Quasi eine Stufe mit Sandhausen. Ich nehme es mal vorweg, für einen vollen Gästeblock kam da echt nicht viel. Nur 2-3 Mal konnte man sie kurz auf der Nord vernehmen. Peinlich!

Der einzige Stress, den ich an diesem Tag hatte, war dann auch der Besuch bei Grönfingers mit der besseren Hälfte kurz vor dem Spiel. Das muss die beginnende Demenz im Alter sein...was habe ich mir dabei nur gedacht? Trotz allen Versprechungen meiner Frau, kamen wir natürlich nicht pünktlich los...wie immer eigentlich. Aus der entspannten Currywurst von Fränki wurde nix. Stattdessen Kiefer ausgerenkt und im Stück heruntergewürgt. Immer noch besser als das Chaos bei Holz an den Fressbuden im Stadion. Nun aber fix nach Hause, Grünzeug ausladen, ab auf'n Pott und los zum Treffpunkt.

Gegen 19 Uhr nichts von dem vermeintlichen Derby auf den Straßen zu spüren. Wie auch, ist halt keines! Man hätte glatt meinen können, heute steigt ein Freundschaftsspiel gegen Peking Guoan. Am Stadion angekommen relativ zügig durch die Kontrollen und aufgrund der hoffnungslos überlaufenen Fressbuden mal wieder ohne Getränk zum Platz. Kennt man ja und ist in einer momentan verrückten Welt wohl die einzige Konstante.
Im Stadion begrüßte uns ein bereits gut gefüllter Gästeblock und eine leere Süd. Diese füllte sich dann weit vor Anpfiff in Form eines "Blocksturms". Sogleich wurde es laut. Warum man aber den Blocksturm in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt gewählt hat, erschließt sich mir nicht. Kurz vor Anpfiff ertönten dann plötzlich die Onkelz über die Lautsprecher und das ganze Stadion stimmte ein. Ok nicht das ganze...unerklärlicherweise blieb es im Gästeblock ruhig.

Das Spiel eröffnete der Pauli-Block mit einem kleinen Pyro-Intro. Nix Dickes und auch nicht viel, aber immerhin mal wieder ein wenig Leben im Gästebereich nach all den Monaten. Die Pyro-Einlage wurde im Stadion zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Ist heutzutage halt keinen Aufreger mehr wert. Auf Rostocker Seite beschränkte man sich auf's Wesentliche - brachialem Support. Die gute Atmosphäre übertrug sich scheinbar auch auf den Rest des Stadions. Weite Bereiche der Nord blieben tatsächlich über 90 Minuten stehen! Das habe ich so auch noch nie erlebt! Machte sich dann gleich im Rücken bemerkbar...Die Mannschaft schien ebenfalls elektrifiziert. Von Beginn an mit der richtigen Körpersprache und dem erforderlichen Einsatz. Pauli merklich überrascht und überhaupt nicht auf die aggressive und offensive Spielweise des FCH eingestellt. Nach gerade einmal drei gespielten Minuten dann Ekstase auf den Rängen, 1:0 durch einen Nachschuss von Simon Rhein! Denkste! Das Kellerkind mukierte sich an einem zu aggressiven Einsteigen von Verhoek und gängelte seine Hilfskraft auf dem Rasen, sich die Szene bitte nochmal genauer anzugucken. Diese entschied auf Foul - der Treffer zählte nicht...Ihren Unmut ließen einige Hanseaten dann am Gegenspieler aus. Teilweise etwas übermotivierte Zweikämpfe, die durch den Schiri mit zwei frühen gelben Karten für den FCH geahndet wurden. Überraschenderweise blieben es die einzigen im ganzen Spiel. Pauli mit etwas mehr Spielanteilen, aber insgesamt wenig gefährlich. Hansa hingegen mit mehreren gut herausgespielten Chancen, die jedoch nicht verwertet wurden. Folgerichtig ging es torlos in die Kabine.
Kurz darauf setzte im südlichen Stadionbereich auf beiden Seiten eine kleine Völkerwanderung hinter die Blöcke ein. Hier und da sah man bengalische Lichter durch die Mund- und Türöffnungen blitzen. Was genau passierte und von wem die Initiative ausging, war von der Nord nicht zu erkennen. Pünktlich zum Anpfiff waren beide Seiten aber wieder in ihren Blöcken. St. Pauli wiederholte das Intro der 1. Halbzeit und zündete erneut einige Bengalos. War in Ordnung.
Auf dem Spielfeld konnte Hansa an die 1. Halbzeit anknüpfen und war sogar das bessere Team. Auch spielerisch wusste Hansa zu gefallen. Das Umschaltspiel klappte gut. Technisch zwar nicht auf dem Niveau von Pauli, aber gut genug, um sich Chancen herauszuspielen. Was für eine Entwicklung im letzten Jahr. Das habe ich der Truppe wirklich nicht zugetraut. Hansa macht Bock! Insbesondere die Entwicklung einiger vermeintlicher "Ergänzungsspieler" ist hervorzuheben. Mal ehrlich, wer hätte einem Malone oder Neidhardt vor der Saison dieses Niveau zugetraut? Letzterer war es dann auch, der Mitte der 2. Halbzeit das Ding quasi von der Grundlinie aus über die Torlinie beförderte. Das Stadion bebte und sowohl auf der Süd als auch Block 9A erleuchteten Freudenfeuer die Nacht. Hansa blieb wach und ließ nicht mehr viel zu, sodass der Sieg erfolgreich über die Zeit gebracht wurde.

Nach dem Abpfiff herrschte auf dem Rasen und den Rängen eine ausgelassene Stimmung. Seit Ewigkeiten ertönte sogar mal wieder die legendäre UFFTA im Stadionrund. Für Unverständnis sorgte in diesem Moment Block 9A, der sich im Gegensatz zum Rest des Stadions nicht daran beteiligte. Da sind die Gräben wohl ziemlich tief?! Die Mannschaft ließ sich zu Recht minutenlang feiern und auch das Stadion leerte sich nur langsam. Der Heimweg verlief dann gänzlich unspektakulär und altersgerecht konnte ich mich noch dem neu erworbenen Grünzeug widmen.

Wichtig ist es jetzt, nicht abzuheben. 37 Punkte sind noch kein sicherer Hafen. Am besten stellen wir gegen Düsseldorf mal einen neuen Vereinsrekord (5 Siege in Folge) auf! :)
 
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