Hansa - Kiel
 
     
 

Nur noch 3!

Heimspiel gegen Kiel. Gleich zwei Dinge, die nicht unbedingt für Jubelstürme sorgen. Da ist zum einen die dürftige Heimausbeute bisher in dieser Saison und dann ist da auch noch Kiel...Sowohl der Stadt als auch dem Verein kann man wahrscheinlich nur als Eingeborener etwas abgewinnen. Wenn Rainald Grebe nochmal Inspiration für ein Brandenburg 2.0 benötigt, Kiel hat Potential. Darüber hinaus überwiegen die schwachen Auftritte zu Drittligazeiten gegen diese Truppe. Naja egal, störrisch wie der Mecklenburger so ist, geht er trotzdem wieder hin. Ausgehungert durch monatelange Coronabeschränkungen zieht dann sogar der Gegner Kiel die Leute ins Stadion. Aufgrund der gelockerten Coronamaßnahmen heute zum ersten Mal seit langem wieder vor (fast) voller Hütte. Wer nicht erst seit gestern zu Hansa geht, der weiß, das bedeutet Chaos überall. Rechtzeitig am Stadion sein war die Devise, was natürlich krachend scheiterte. Um 18 Uhr Menschenmassen ohne Ende vor den Impfkontrollen. Aber zum Glück stellt sich der gemeine Ossi immer noch in die erstbeste Schlange, sodass die Kontrollen im mittleren Bereich des Stadionvorplatzes nicht überlaufen waren. Also ab durch die Kontrollen, vorbei an den vollkommen überfüllten Fressbuden und fertig. Nicht mal 10 Minuten vom Vorplatz bis zum Sitzplatz. Kann man nicht meckern.

Außer auf der Süd keine großen Lücken auf den Tribünen erkennbar. Dort wurde, wie bereits zuvor gegen Nürnberg, der Unterrang abgesperrt. Soll wohl optisch eine größere Zustimmung zum Fernbleiben aufgrund der 2G+ Regelung suggerieren. Ob das nun tatsächlich so ist, darf zumindest angezweifelt werden. Der Oberrang war jedenfalls gut gefüllt und da die Süd eh nie eine 100% Auslastung hat, dürfte wahrscheinlich nur der harte Kern den Boykott durchziehen. Im Prinzip aber auch egal, da es das letzte Heimspiel unter 2G-Plus-Bedingungen sein sollte. Was die Stimmung betrifft muss man sagen - zum Glück. Das Fehlen der aktiven Fanszene machte sich auch heute deutlich bemerkbar. Volle Hütte, Flutlicht, gut gefüllter (aber leiser) Gästeblock und ein lebendiges Spiel waren eigentlich beste Bedingungen für einen Hexenkessel. So richtig in Fahrt kam das Publikum aber erst zum Ende.

Hansa die ersten und letzten 20 Minuten das deutlich bessere Team. Die Art und Weise ließ Erinnerungen an längst vergangene Zeiten hochkommen. Engagierter Auftritt und dazu der ein oder andere schöne Spielzug. Im Gegensatz zu vielen Spielen zuvor wurden auch mal mehr als 1-2 gute Chancen herausgespielt. Hierbei liegt die Betonung eindeutig auf "gespielt". Der frühe Führungstreffer von Breier war da sicherlich ein Dosenöffner, aber dass sich die Mannschaft hier merklich weiterentwickelt hat, lässt sich nicht abstreiten. Kiel ebenfalls nicht ungefährlich. Technisch und von der Spielanlage her ein höheres Niveau als Hansa, aber reichen sollte es dennoch nicht.
Allzu viel ließ Hansa hinten nicht anbrennen, meistens war vor dem Strafraum Schluss. Zwei Buden, jeweils zum Ausgleich, konnte man allerdings nicht verhindern. Insbesondere das 2:2, gefühlte zwei Minuten nach der zwischenzeitlichen 2:1 Führung durch John Verhoek, hätte vor gar nicht allzu langer Zeit gereicht, um am Ende als Verlierer vom Platz zu gehen. Nicht aber diese Saison. Hansa machte munter weiter und erarbeitete sich weitere Chancen. Kiel wirkte fortan stehend KO. Nach vorne ging nichts mehr und Hansa zwang den Gegner vermehrt zu Fehlern, wodurch sich gute Kontermöglichkeiten ergaben, wovon Hanno Behrens schließlich eine verwerten konnte. Das Stadion daraufhin ein Tollhaus. Aus mehreren Ecken wurden Gesänge angestimmt. Viel durcheinander und nicht so brachial, aber irgendwie Old-school. Mit koordiniertem Support wäre an diesem Abend so einiges möglich gewesen. Schade, aber was nicht ist, kann ja noch werden! Auf Kieler Seite scheinbar die gleiche Soße. Kein organisierter Support und in 90 Minuten maximal 2-3 Mal zu vernehmen. Kann auch sein, dass ich in meiner Jugend auf der Stubnitz zu oft zu dicht vor den Bassboxen stand, aber nicht mal beim Torjubel wurde es dort laut.

Ein letzter Jubelschrei durchzog das Stadion dann zum Schlusspfiff. Sowohl auf den Tribünen, als auch auf dem Rasen war die Erleichterung über diese 3 extrem wichtigen Punkte spürbar. So ließ sich Verhoek auch nicht lumpen, als letzter Spieler auf dem Rasen mit jeder Tribüne einzeln den Sieg zu feiern. Auch außerhalb des Stadions überall ausgelassene Stimmung und Gesänge. So etwas habe ich bei uns auch wirklich lange nicht erlebt. Hier läuft momentan verdammt viel richtig. Den Abend genießen, paar Bier genehmigen und ab Montag wieder Fokus. Noch 3x gewinnen!
 
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