Wir schreiben die Saison 1993/1994, genauer das Jahr 1994. In Rostock herrscht nach dem Bundesligaabstieg eine groteske Stimmung gegenüber dem Fußballclub Hansa Rostock. Kaum jemand möchte noch ins Ostseestadion und nur wenige glaubten damals an den Wiederaufstieg der Mannschaft. Der Anhängerkern war knapp vierstellig. Trotzdem und vielleicht gerade deshalb entstand zu dieser Zeit eine neue Generation an Fanclubs, die sich organisierten und für eine bessere Atmosphäre im Ostseestadion sorgen wollten. Am 16. April 1994 entschied sich ein Freundeskreis aus Rostock im Altersdurchschnitt von 13 Jahren ebenfalls einen Club zu gründen. Damals noch unter dem Namen BLAU-WEISS DETLEF wurde die Truppe mit ihren 20 Mitgliedern schnell bekannt für bereits erste größere Schwenkfahnen und eine Bettlaken-Blockfahne. Nach dem geglückten Bundesligaaufstieg und den ersten organisierten Busfahrten rückte der Club damit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Um etwas mehr Ernsthaftigkeit auszustrahlen wurde der Name deshalb in BLAU-WEISS DYNAMIK 94 geändert.
Mitte/Ende der 90er schwappte aus Italien die Ultrabewegung in die deutschen Stadien. Diese zog auch an BWD nicht spurlos vorbei und sollte den Club fortan prägen.
Erste kleine Doppelhalterparaden, unterstützt mit Bengalos und Spruchbändern, im Block E wurden aber nur mühselig in Szene gesetzt und erzeugten keine große Begeisterung im Fanblock.
Erst nach dem Stadionneubau entwickelte sich nach Absprache der Clubs Vier-Tore-Power Neubrandenburg, Wolgaster und BWD94 ein nennenswerter Mob an erlebnisorientierten Hansafans im Block 9a.
Der Mob hatte vor allem Spaß beim Support und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit von Spieltag zu Spieltag zu einer neuen Fangemeinde, die wohl als eigentlicher Grundstein der Ultraszene in Rostock angesehen werden kann. Themen wie Polizei, Ordnungsdienst, Gewalt, Hooligans und Kommerz beim Fußball spielten untergeordnete Rollen.
Bereits nach einer Saison sollte diese Entwicklung im Ostseestadion nochmals völlig verändert werden. Die Suptras Rostock und mit ihnen der Supporterblock 27a wurde gegründet. Trotz Mitgliedschaft bei Suptras blieb BWD zum Großteil im Block 9a. Die hohen Eintrittspreise der Süd versprachen unserer Meinung nach wenig Erfolgsaussichten für dieses Projekt. War die Ultrabewegung doch vor allem eine sehr junge Bewegung, bestehend zu einem Großteil aus Schülern und Studenten.
Zunächst bildete sich im Block 8a/9a ein loser Stimmungsmob. Neben BWD waren vor allem MagicFCH, Wariner und Young Vikings Güstrow daran beteiligt. Ein Jahr nach Gründung der Suptras bildete sich aus dem losen Verbund im Block 8a/9a die Gruppierung Baltic Boyz 02. Beide Gruppierungen stellten zunächst mehr eine Art Dachverband verschiedener, bereits existierender Fanclubs dar.
Teilweise bedeutende Mitgliederwechsel zwischen den Gruppierungen waren fortan an der Tagesordnung. Es entwickelte sich quasi ein “Konkurrenzkampf“ zwischen den Gruppen und damit auch den Blöcken, welcher sich in Form von Choreos aber auch persönlichen Anfeindungen in der Öffentlichkeit widerspiegelte.
BWD94 war fortan federführend in der Gruppierung BB02. Weitere wichtige Bestandteile der Gruppe waren die Clubs Wild Boys, Young Vikings Güstrow, VTPNB, Sek Doberan und Sek Laage.
Nach 2 Jahren Bestand von BB02 konnte die Gruppe auf riesige Choreos auf der Nordtribüne und einen hohen Bekanntheitsgrad blicken. Die Mitgliederanzahl betrug knapp 100 und knüpfte somit dicht an die damalige Stärke von Suptras an.
Aufgrund verschiedener Ansichten innerhalb der Gruppierung bzgl. Aufbau, Organisation und den Umgang mit Gewalt beim Fußball musste eine schmerzliche, kurzfristige Entscheidung getroffen werden.
Der Verbund wurde aufgelöst und damit stellte der Club BWD94 wieder eine eigenständige, völlig unabhängige Gruppe dar.
Während nach dem Bundesligaabstieg 2005 fast die komplette Szene in den Block 27a wechselte, versuchten wir den alten Fanblock 8/9 zusammen mit den jungen Gruppen Fanatics Rostock und den Youngs Rostock am Leben zu halten. Für uns war dieser Versuch vor allem eine große Erfahrung, wir stellten erstmals als BWD einen eigenen Vorsänger und waren die tonangebende Gruppe im Fanblock. Es war ein sehr lehrreiches Jahr, vor allem aber auch ein sehr unbeschwertes. Nach diesem Jahr beschlossen wir, trotz der für uns guten Saison, schweren Herzens (war der Fanblock doch 12 Jahre unsere Heimat) den Schritt Richtung 27a zu wagen. Es war vor allem der Wunsch und die Hoffnung nach all den Jahren die Trennung der Szene zu beenden und endlich zusammen zu arbeiten.
Die erste Saison war eine große Umstellung und wir rutschten viel zu sehr in den passiven Part des Blockes. Die ersten Zweifel kamen auf, ob der Schritt richtig war. Durch immer mehr Eingriffe in die Fankultur und speziell der ABS Aktion beim Schalke Heimspiel (OS-Banner) wurde nun allen klar: Wir müssen und sollten alle viel mehr geschlossen auftreten.
Der große Bastelraum unter der Nordtribüne wurde verlassen und ein klares Bekenntnis zum Fanszene-Rostock Verbund und damit auch zu einem gemeinsamen Raum ausgesprochen.
Die Anzahl und Aktivität der Mitglieder wurde systematisch und gewissenhaft gesteigert und damit auch die Präsenz bei Auswärtsspielen erhöht.
Zu Beginn der Rückrunde 2008/2009 entschlossen wir uns direkt über das Mundloch in Block 27a zu stellen. Durch diesen Wechsel in das Zentrum wollten wir nun endlich mehr Verantwortung in der Kurve übernehmen. Die Stimmung wurde gerade im oberen Block immer schlechter, bedingt durch die Konzentration der Szene in Block 27 und dem unterwerfenden ultra trendy im Stimmungsblock zu stehen waren leider einfach viele falsche Leute in diesem Teil des Stadions. Braungebrannte Discoatzen, Suffköppe und andere Mitläufer die ihr Maul einfach nicht aufbekamen gehörten zur festen Größe, besonders im A-Bereich. Wir haben zwar nicht geschafft solche Leute gänzlich aus der Kurve zu verdrängen, aber immerhin ist es uns gelungen einen größeren Stimmungsmob in 27a zu etablieren. Diese positive Entwicklung wäre sicher noch weiter gegangen. Aber durch den Abstieg in die Drittklassigkeit eröffneten sich auch neue Wege für die Fanszene. Die "Kurve für Rostock" wurde schweren Herzens aufgegeben und sich gemeinsam dem Projekt Hintertortribüne gewidmet. Nachdem der Verein grünes Licht gab, sehen wir nun voller Erwartungen in die Zukunft.
Als neue Heimat auf der Hintertortribüne haben wir uns den oberen linken Teil von Block 23 ausgesucht (zwischen Mundloch und Block 22).
Man darf gespannt sein wohin der Weg geht. Die Hintertortribüne steht oder fällt sicher mit dem Auftreten ihrer Besucher. Grade deshalb ist es wichtiger denn je, dass man sich selber im Griff hat und nicht gleich bei jeder kleinen Provokation der Gästefans oder Polizei am Zeiger dreht. Stichwort Selbstregulierung.

Als Aufgaben haben wir uns gesetzt auch am neuen Standort aktiv für eine laute und bunte Kurve zu sorgen, gleichzeitig aber auch alle Dinge in und um den Verein kritisch zu hinterfragen. Dazu zählt in erster Linie der stetig steigende Kommerz, aber auch die Mentalität der Fanszene. Uns ist besonders wichtig wie sehr jemand wirklich mit dem Herzen zum Verein steht.
Bei vielen, auch gerade jungen aktiven Fans im Block, steht nicht mehr der FCH im Vordergrund, sondern das drum herum. Da ist es wichtiger ne Jogger anzuziehen, böse Richtung Bullen zu gucken oder den Kutten der Gastmannschaft den Fanshopschal abzuziehen, anstatt sich die Seele aus dem Leib zu brüllen.
Die Grenzen zwischen Ultras und Hooligans verschwimmen deutschlandweit immer mehr. Unserer Ansicht nach eher kontraproduktiv.
Eine Verteidigung in bestimmten Situationen ist sicherlich nötig und wird nicht abgelehnt. Die Gewaltbereitschaft in den letzten Jahren aber hat Ausmaße angenommen die nicht mehr normal sind und eindeutig kritisch von uns bewertet werden. 17 Jährige kommen durch den Block und bieten geklaute Fanartikel an – einfach krank!
Hools gab es und wird es immer geben, dass ist auch in Ordnung. Das sich aber mittlerweile jeder dahergelaufene Zwerg als so einer sieht geht gar nicht und entwickelt sich hoffentlich wieder zu einer deutlicheren Trennung. Ultras stand immer für kreativen, lauten und bunten Support. Auf diese Tugenden sollte sich wieder verstärkt berufen werden. Straße und Stadion muss stärker von einander abgegrenzt werden. Der normale Stadionbesucher muss von unseren Idealen überzeugt werden, um den Feinden des Fußballs Paroli bieten zu können. Alleine ist dieser Kampf nicht zu gewinnen.
Viel mehr Intensität sollte in eine fanlagerübergreifende Zusammenarbeit gegen den Überwachungswahn, die Polizeiwillkür und den Verkauf des Fußballs angestrebt werden.

Zur Zeit bekriegt man sich lieber untereinander, statt die Feinde des Fußballs gemeinsam zu bekämpfen. Die Zeiten der Zusammenarbeit zwischen den Fans unter dem Deckmantel „Pro 15:30" und „Kein Kick ohne Fans“ sind leider Geschichte.

Aktuell besteht unsere Gruppe aus ca 20 Mitgliedern. Seit Anfang an dabei sind heute noch 3 Mitglieder. Der heutige Kern der Gruppe hat einen Altersdurchschnitt von ca. 24 Jahren und ist erst in den letzten 4 Jahren dazu gestoßen. Vom Papier her alte Hasen, aber eigentlich noch relativ jung. Beruf und Familie nehmen aber auch bei uns immer mehr Zeit in Anspruch, sodass junge, motivierte Leute immer gern gesehen sind.

Für eine laute, bunte und kritische Kurve!

BLAU-WEISS DYNAMIK 94


Stand: August 2010