Aachen - Hansa
 
     
 

Das vermutlich letzte Spiel im Tivoli

Auf Grund einer Schulung musste ich am Freitag erst einmal die Reise ins Kölner Umland antreten, aber so konnte im auf der Fahrt, im Auto eines Arbeitskollegen, noch etwas Schlaf nachgeholt werden. Wieso muss man auch Abends immer noch so lange zocken? Das Kaff erreicht, umgezogen, Bier eingepackt und ab zum Bahnhof. Dort für sage und schreibe 28,50 € das SchönerTagTicket NRW für eine Person geholt. Die deutsche Bahn spinnt doch langsam! In der Bahn dann zwischen nervigen Berufsschülern und Pärchen das erste Bier aufgemacht und die Zeit verstreichen lassen. Unterwegs stiegen noch zwei weitere Hansarecken ein und so fühlte ich mich nicht mehr ganz so verloren in der Voreifel. Aufgrund eines Stellwerkausfalles in Köln musste man noch etwas auf die Weiterfahrt warten, jedoch war dieser "schnell" behoben und man war recht zeitnah in Köln. Dort war jedoch absolutes Chaos. Alles rannte wild durcheinander, das Handynetz war überlastet und so dauert es ein wenig, bis man die restlichen Kölner traf. Aufgrund eines erhöhten Polizeiaufkommens an einem Teil des Zuges nach Aachen, entschloss die Gruppe sich, weiter hinten einzusteigen, um so seine Ruhe zu haben. So konnte in einem vollkommen überfüllten Ersatzzug die Fahrt nach Aachen recht entspannt über die Bühne gebracht werden.
In Aachen angekommen war im Vergleich zum Vorjahr ein vollkommen anderes Bild. Turtles über Turtles, die die Hansafans zu einem Shuttle geleiteten, jedoch konnte noch das ein oder andere Bier eingekauft werden und der Bus wartete, bis alle Hanseaten aus dem Bahnhof waren. Die Fahrt zum Stadion war sehr unspektakulär und am Stadion angekommen ging es auch gleich hinein. Dort begrüßte man die bekannten Gesichter, hielt den ein oder anderen kurzen Plausch und begab sich wie der Rest in den Sitzblock, da man dort dichter am Feld war. Sicherlich aufgrund der letzten Ergebnisse und der bescheidenen Anstoßzeit fanden nur wenige Hotten den Weg in den Tivoli und im Stadion waren auch nur 9323 Zuschauer. Im Aachener Block merkte man sofort den Verlust der Ultrakultur, aufgrund der Auflösung der ACU und KBU, wozu ich jegliche Wertung außen vor lasse. So konnte der Aachener Stehblock nur wenige Akzente setzen und war nur gelegentlich laut zu hören. Im Rostocker Block war die fehlende Motivation zu bemerken, so wurden die Schlachtrufe schnell leiser und schallten nicht immer komplett laut durch das Stadion. Auf dem Platz sah man ein Spiel, welches verschiedene Emotionen in mir hochkochen ließ:
0-1 glücklicher Distanzschuss von Blum -> Freude mit einer gewissen Skepsis
1-1 Kopfball über einen zu weit vor dem Tor stehenden Müller -> Enttäuschung
2-1 Müller macht einen Schritt in die falsche Richtung und der gut geschossene Freistoß geht rein -> pure Enttäuschung
3-1 wieder ein Freistoß -> Wut, dass die Mannschaft es nicht schafft gegen zu halten
3-2 Weilandt schießt, der Aachener Torwart verknotet seine Hände und drin war er -> Ernüchterung, dass man nicht komplett untergeht
3-3 Plat drückt einen Angriff, der nach Fußball aussah, ins Tor -> Unglaube, dass die Mannschaft den Ausgleich gemacht hat
3-4 der eingewechselte Smetana schießt einen Aachener an und die Kugel geht rein -> der Unglaube wechselt zu purer Freude
Nach einer spannenden Schlussphase konnte nun endlich wieder ein Sieg gefeiert werden. Alle lagen sich in den Armen. Bei einem Meisterschaftsgewinn der Bayern waren weniger Emotionen im Spiel. Der Block drehte in den letzten Minuten des Spieles richtig auf und die Mannschaft so wie der Trainer, welcher als erster zum Block kam, konnten richtig gefeiert werden. Die ersten Hotten sprangen in den Innenraum und fielen den Spielern in die Arme, so weit dieses ging, da die Ordner dicht machten und die Polizei sofort behelmt aufmarschierte. So kam es zu einigen unschönen Rangeleien, wobei ein Hansafan von Ordnern zu Boden gerissen und mit Kniestößen und Fausthieben malträtiert wurde. Die Mannschaft verschenkte dann noch ihre Trikots.
Nach einigen innigen Umarmungen trat man in einem völlig überfüllten Shuttlebus die Rückfahrt zum Bahnhof an. Dies war jedoch nicht, wie angenommen, der Hauptbahnhof, sondern der Bahnhof Rothe Erde. Der WET-Mob stieg jedoch, entgegen der Annahmen der Polizei, in den Zug Richtung Hauptbahnhof. Daraufhin zog sämtliche Polizei ab und so konnte man sich noch mit Bier für die Rückfahrt eindecken. In Köln angekommen, trank die Gruppe ein paar Bier am Rhein, um sich die Wartezeit auf die Anschlusszüge zu verkürzen. Die restliche Rückfahrt verlief ruhig und ich war froh als ich dann im Bett lag, ohne den Sieg überhaupt schon richtig realisiert zu haben.
Zitate der Fahrt:
"Der Sieg war so geil, ich hole mir nachher, mit dem Trikot von Blum, noch einen runter."
"Wir haben vorhin in Minden einen aufgegabelt, der wollte eigentlich nur 10 Minuten Bahn fahren, aber er ist doch noch mitgekommen und er wollte, dass wir ihm mit einer Sicherheitsnadel ein Lippenpiercing stechen."
 
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